Meine ersten Stunden

Dienstag morgen, fünf Uhr. Der Wecker klingelt und Mama wacht auf. Irgendetwas passiert heute. Das habe ich Gespür. Papa höre ich auch im Hintergrund. Die beiden packen geschäftig ein paar Sachen zusammen. Oma und Opa sind auch bereits da. Um diese Uhrzeit? Meine Schwester Miki höre ich auch noch. Sie, Mama und Oma weinen. Warum nur?
Mama und Papa fahren jetzt Auto. Das erkenne ich bereits. Nicht nur das Geräusch, auch das Schaukeln kenne ich. Nach kurzer Fahrt sind wir aber bereits dort. Wo auch immer das ist?!

Mama und Papa kommen in einen Raum, in dem es ziemlich gemütliches Licht gibt. Das kenne ich von Zuhause nicht. Es ist so gelblich und die Stimmung ist toll! Ich genieße das total 🙂 Mama zieht sich aus und bekommt so einen tollen Kittel an. Der ist am Rücken frei. Ich bemerke dann, dass ab und an Frauen zu uns hereinkommen und mit Mama und Papa sprechen. Irgendwas ist doch im Busch! Vielleicht geht es heute los und ich komme raus aus Mamas Bauch? So langsam wird es hier echt eng, muss ich gestehen…

Mama wird dann mitsamt dem Bett in einen anderen Raum gefahren. Papa höre ich zunächst nicht mehr. Dafür aber jede Menge anderer Leute. Und es ist merklich frischer hier. Mama friert schon fast. Aber sie ist auch aufgeregt. Das spüre ich.

Dann geht es Schlag auf Schlag. Mama bekommt eine Betäubung, legt sich hin, ich höre Papa hereinkommen und Mama beruhigen. Sie ist auf einmal ganz aufgeregt! Ich spüre auch, dass es ihr schlecht geht. Doch holla! Was ist das?! Ich erkenne Licht! Da habt mich doch tatsächlich jemand aus Mamas Bauch raus! Hey! Fragt mich keiner, ob ich überhaupt will? Naja, doch. Ich will 🙂 Aber ich protestiere erst einmal lautstark! Ungefragt aus Mamas Bauch herausnehmen! Ts!
Ich kann ganz kurz Mama und Papa wahrnehmen, dann bringt mich die nette Frau, die ich auch schon aus dem anderen Raum kenne, kurz weg. Dort sind dann Ärzte, die mich untersuchen. Ich protestiere einfach mal weiter. Können die doch nicht einfach so machen! Sauerei das!
Dann darf ich zurück zu Mama und auf Ihre Brust bzw. Schulter. Das ist so schön! Und ich höre ihre Stimme diesmal, aber viel deutlicher. Sie ist sooo liebevoll und wohlklingend. Ich beruhige mich ganz schnell und genieße ihre Stimme. Dann nimmt mich die nette Frau wieder mit in den Raum von vorhin. Papa ist aber dabei. Dort werde ich gewogen, mir wird an der Nabelschnur herumgeschnitten und ich bekomme das erste Mal eine Windel an. Dann darf ich zu Papa auf die Brust. Aber was ist das? Papa hat gar keine Zitzen. Ich will aber trinken! Nervös taste ich mich über Papas Brust…. Dann kommt Mama und ich darf zu ihr auf die Brust. Die ist viel weicher und was erspüre ich da? Eine Zitze! Die nehme ich gleich mal an und sauge fleißig. Das strengt zwar wahnsinnig an, ist aber soooo toll. Ich glaube, das werde ich jetzt häufiger machen 🙂

Ich habe an meinem Arm noch so ein komisches Ding mit Kabel dran. Das nervt nicht, aber da sind Geräte dran, die ständig vor sich hin piepsen. Das finde ich nicht so toll. Kann man die mal ausschalten?
Zum Glück geht das nicht lange und die kommen tatsächlich ab. Mama hat auch eines gehabt. Es wird ruhiger und wir werden mitsamt dem Bett über den Flur gefahren. Es ist jetzt wieder heller und zwei Frauen begleiten uns. Wir bekommen ein eigenes Zimmer! Und was soll ich sagen: ich habe sogar ein eigenes Bettchen 🙂

Papa ist die ganze Zeit dabei. Ab und an darf ich auch zu ihm. Aber bei Mama kann ich trinken und nuckeln. Das ist echt klasse! Mein Bettchen probiere ich auch mal aus.
Es ist so gemütlich hier, dass ich nach dem Trinken bei Mama erst mal einschlafe. Es war ja auch ganz schön anstrengend bis hier her!

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